Über das Buch

„Wann werden Sie darüber endlich ein Buch schreiben?“

Ich habe diese Frage schon zu oft gehört , als das ich sie noch zähle.

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Von Januar 1992 bis zu seiner Fertigstellung im September 2011 nahm das Manuskript, was schließlich zu dem links abgebildeten Buch wurde, viele Formen an.

Es fand seine Anfänge in einem mitternächtlichen Versuch im Jahre 1987, einige meiner Gedanken mit Hilfe eines Commodore 64 zu Papier zu bringen. Nach meiner Verhaftung im Jahr 1991 wurde die Diskette mit den folgenden Seiten als Beweismittel beschlagnahmt.

 

 

Während der Verurteilung verwendete Staatsanwältin Major Anne Burman diese Seiten, um mehrere rhetorische Fragen im leeren Gerichtssaal zu stellen.

„Ist das meine Autobiographie oder ein von mir geschriebener Roman“ fragte sie ? „Wir werden es nie erfahren !“ sagte sie, offenbar die Weisheit  “ Sag niemals nie“ unterschätzend.

Seltsam genug, den ersten Vorschlag, meine Geschichte aufzuschreiben, wurde mir durch den Mann gemacht, der jahrelang die Aufgabe hatte, mich aufzuspüren und der später Leiter der AFOSI wurde. Er hat mir nicht nur den Vorschlag gemacht, er besorgte auch eine Schreibmaschine und Schreibpapier, sodass ich mich sofort an die Arbeit machen konnte.

Der erste Versuch brachte nur eine kleine Anzahl von Seiten hervor und meine Haftverlegung in das Militärgefängnis in Quantico setzte dem Schreiben vorerst ein Ende.

Es war erst nach 1996 (nun im Militärgefägnis in Fort Leavenworth), als ich mich wieder dazu entschloss, meine Erlebnisse und Erfahrungen zu Papier zu bringen.

Das Manuskript nahm in kleinen Schritten wieder Gestalt an. Meine beide Mitinsassen, wie auch die Wärter lasen Korrektur, sobald ich neue Seiten fertig geschrieben hatte. Einige Wärter waren sogar sehr gespannt und suchten meine Nähe, um den Fortgang meiner Geschichte verfolgen zu können.

Irgendwann habe ich die Hilfe eines Buchautors aus Florida erbeten, in der Hoffnung, dass sich seine Unterstützung als wertvoll erweisen könnte.

Im Jahre 1997, nachdem ich fast 400 Seiten geschrieben hatte, erlebte ich eine unerwartete Wendung der Ereignisse.  Markus Wolf, ehemaliger Leiter der HVA (Hauptverwaltung Aufklärung des MfS), veröffentlichte sein Buch „Men without Face“.

In diesem lies er den Schaden, den ich der NSA und der US Air Force zugefügt hatte, mit schmerzlich detaillierten Beschreibungen von deren Aktivitäten, die die HVA neutralsiert hatte, wieder aufleben. Zur gleichen Zeit machte die Nachricht von meiner Entführung in den Nachrichten in Deutschland die Runde – sechs Jahre nach der Tat.

Die daraus resultierende negative Publicity war zu viel für die Air Force und die NSA. Sie ergriffen schnell Maßnahmen, um sicherzustellen, dass niemand mehr von den tatsächlichen Ereignissen um meinen Verrat und meine Entführung herausbekommen konnte. Nach sehr kurzer Zeit wurde mein Manuskript beschlagnahmt und ich wurde in strengste Einzelhaft verlegt.

Ich war, so teilten sie es mir mit, mit einer erneuten Anklage wegen Spionage konfrontiert.

WaiverDer Spionage angeklagt zu werden, während man eine Strafe wegen  Spionage verbüßt, ist  – nun ja – ziemlich „heftig“. Genauso „heftig“ ist die Verleihung der National Defense Service Medal an mich , während ich die Strafe wegen Spionage verbüßte.

Transmittal of Entitlement to AwardsJa, ich erhielt die National Defense Service Medal, während ich in strenger Einzelhaft der erneuten Anklage wegen Spionage entgegensah (Siehe Dokument oben)

 

Ich erhielt die National Defense Service Medal, da ich auf dem Papier in 1991 in die 7350. Luftwaffeneinheit Berlin versetzt wurde, zur gleichen Zeit, als ich als U – Bahn Fahrer in Berlin arbeitete, nur wenige Monate vor meine Entführung.
Ich wurde von der Außenwelt und sogar im Gefängnis von anderen Insassen und dem Personal abgeschnitten. Ich hatte keine Möglichkeit, mit meiner Familie oder auch mit  meinem Anwalt zu sprechen. Ich erhielt keine Briefe. Während einer der zahlreichen Vernehmungen von OSI-Agenten der Whiteman AFB, wurde mir versehentlich ein Dokument vorgelegt, welches ein Antrag für eine geheime Hausdurchsuchung des Hauses meines potenziellen Co-Autor in Florida war. ( Jack, wenn Du dies heute liest, dann weißt Du , dass auch Du nicht sicher warst.)

Seltsamerweise hatte die NSA angegeben, dass ihr Mandat es nicht zulassen würde, derartige Durchsuchung auf amerikanischem Boden auszuführen, und deshalb das FBI gebeten, die geheime Hausdurchsuchung an Ihrer Stelle durchzuführen.

Nichts wurde weggenommen oder zerstört, es wurde nur die Computer – Festplatte des armen Mannes kopiert. Niemand erfuhr jemals, wer dort gewesen war. Es klang wie Ost-Deutschland, dachte ich.
Wenn da ein Silberstreif am Horizont war, dann war es der, dass die NSA  zugegeben hatte, dass sie kein Mandat besitzt, um direkte Aktivität gegen US-Bürger auf dem Territorium der USA ergreifen zu können. Von 1983 bis 1985 habe ich verschiedene Projekte und Aktivitäten gegen den Warschauer Pakt vereitelt. Aktivitäten, die manchmal riskierten,  das der Kalte Krieg zum „heißen“ werden konnte. Heute begründet die NSA Ihre nachrichtendienstlichen Aktivitäten gegen die Bürger, in dem sie vorgibt, diese zu schützen. Während des Kalten Krieges war der Feind „Das Reich des Bösen“ bzw. der Kommunismus. Heute kann der Feind oft nicht einmal konkret identifiziert werden. Und sicherlich kann man niemanden der   „Unterstützung des Feindes“ verurteilen, wenn man nicht mal definieren kann, wer der Feind ist.

Veröffentliche keinen Artikel, den eines Tages die falsche Person lesen könnte, und gib niemals einen Kugelschreiber einem Nordkoreaner (ein aktuelles Beispiel der vermuteten Spionage unter der Clinton-Administration). Du könntest Dich im Gefängnis wiederfinden.

 

Es scheint so, dass wir genau das geworden sind, was wir immer sagten, es zu verabscheuen. Und wir, die Menschen, sind jetzt der Feind.

„Gegen alle Feinde, Foreign and Domestic …“

Wenn die Öffentlichkeit über das Verhalten ihrer Regierung und ihrer Geheimdienste empört ist, dann ist dies verständlich. Leider wollten wir es gar nicht so genau wissen, was da in unserem Namen so alles getan wird, bis Leute wie Bradley Manning oder Edward Snowden die Weltöffentlichkeit dazu zwagen, davon Notiz zu nehmen.

 

Während das Objekt unserer jeweiligen Handlungen bzw. des „Verrates“ variierten, so bleibt eine Sache gleich: ein gigantischer Geheimdienstapparat mit bisher unbekannten Ressourcen und einem geheimen Budget setzt seine oftmals illegale Arbeit hemmungslos und mit wenig kompetenter Kontrolle fort.
Die Menschen selbst können nicht der Feind des Volkes sein.

„Ich bitte Sie, mich von den Feinden beurteilen zu lassen, die ich habe.“ – Franklin Delano Roosevelt